Mittel gegen Elektroschrott – Smartwatch die sich selbst auflöst

Laut Global E-Waste Monitor sind im Jahr 2020 weltweit rund 53,6 Millionen Elektroschrott angefallen. Ein neuer Rekord, der nach ersten Schätzungen in diesem Jahr noch mal übertroffen wird. Ständig neue Modellvarianten und immer kürzere Produktzyklen verschärfen dieses Problem. Das digitale Equipment erreicht meist nicht sein natürliches Lebensende, sondern wird ausgetauscht, wenn es nicht mehr Up to date ist.

Elektroschrott gehört zu den großen Umweltproblemen unserer Zeit. Einerseits ist es ein riesiger Berg Müll, andererseits eine Menge verschwendeter Ressourcen. In elektrischen Geräten sind wertvolle Metalle und seltene Erden verbaut, die heute zu einem großen Teil wiederverwendet werden könnten. Smartwatches machen da keine Ausnahme, auch wenn ihr Anteil an diesem Berg gering sein dürfte. Anders als beispielsweise Smartphones oder PCs sind sie schwer zu demontieren und deshalb kaum zum Recycling geeignet. Sie landen also in vielen Fällen irgendwann im Müll.

Einen völlig neuen Ansatz verfolgen Forscher der Tianjin Universität in China und wollen damit das Recycling von kleinen elektronischen Geräten vereinfachen. Sie haben ein Zwei-Metall-Nanokomposit entwickelt, das sich innerhalb von 40 Stunden nahezu vollständig auflöst und nur einige wertvolle Metalle überbleiben, die dann wiederverwendet werden können. Wie das in der Praxis aussieht, haben die Forscher an einer Smartwatch getestet und die Ergebnisse im Fachjournal ACS Applied Materials & Interfaces veröffentlicht.

Die eingesetzten Smartwatches waren vollständig funktionsfähig, mit Sensoren ausgestattet, unter anderem für die Herzfrequenz sowie Blutdruck und verfügten sogar über Bluetooth, um die Uhr mit einer Smartwatch zu verbinden. Damit die Uhren auch realitätsnah eingesetzt zu testen, wurden sie von Probanden mehrere Tage angezogen und bei alltäglichen und sportlichen Aktivitäten eingesetzt. Kein Problem für die Smartwatch, der weder Bewegung noch Stöße oder Schweiß etwas anhaben konnte und zuverlässig die Daten der Sensoren lieferte.

Spannend wurde es danach, als die Smartwatches vollständig in Wasser getaucht wurden. Der Zersetzungsprozess begann und war nach rund 40 Stunden abgeschlossen. Zurück blieben die Teile der Smartwatch, die für das Recycling geeignet sind. Dazu gehörten das Display, Controller und verschiedene andere elektronische Bauteile. Für die Forscher ein Durchbruch, der es ermöglicht, elektronische Produkte mit vorübergehender Nutzung und starkem Bezug zu aktuellen Moden herzustellen.

Bild: ACS Applied Materials & Interfaces

Weil die dann überflüssigen Bauteile wie beispielsweise das Gehäuse dann restlos entfernt sind, lassen sich die anderen wertvollen Materialien in neuen Produkten weiter nutzen. Je ausgereifter diese Technologie wird und je umfangreicher sie eingesetzt werden kann, umso größer könnte der Beitrag sein, das Problem Elektroschrott zu lösen. Wer sich für die Originalstudie interessiert, kann diese im Fachjournal ACS Applied Materials & Interfaces nachlesen.

Quelle: PM ACS Applied Materials & Interfaces
Bild: ACS Applied Materials & Interfaces

Letzte Aktualisierung am 6.12.2022 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API